x+16 oder der tägliche Wahnsinn

zur Visualisierung des zuvor Geschriebenen: das ist mein Zug (Auftritt ab Sekunde 0:40) ! Ja, der fährt durch die Stadt. Nein, kein Scherz. Man achte auch auf die Geschwindigkeit der vorbeigehenden Menschen (1:07) oder der vorbeifahrenden Roller im Vergleich (1:39).

(Keine Sorge, das war der vorerst letzte Eintrag zum Verkehrsaufkommen in San José)

Advertisements

x+14 oder warum ich mich nie wieder über die Deutsche Bahn beschweren werde

Von meiner Wohnung bis zur Arbeit sind es ca. 10 km. Nein, nicht Luftlinie, sondern ganz normal, der Straße folgend. Machbar. Sollte man meinen. Aber es wäre ja langweilig, wenn es einfach mal einfach wäre. Der Verkehr in San José ist eine Katastrophe, besonders zur Rush-hour.

Ich verlasse das Büro um 17.15. Da ich gestern mit dem Bus mehr im Stau stand, als dass wir uns fortbewegt haben und heute nach 20 Minuten warten zwar eine Menge Menschen aber kein Bus zu sehen sind, entscheide ich mich den Zug zu nehmen. Ich mache mich auf den Weg, die Haltestelle zu suchen. Ich brauche diesmal nur zwei mir den Weg erklärende Menschen, ein Fortschritt. Als ich dort ankomme, wo laut Beschreibung des Zeitungsverkäufers die Station sein soll: Kein Mensch weit und breit, auch kein Zug. Normalerweise kann man den Ticos in Bezug auf ihre Wegbeschreibungen absolut vertrauen aber dieses Mal bin ich mir da nicht so sicher. Abgesehen von den Schienen lässt nichts auch nur ansatzweise erahnen, dass hier ein Zug halten soll. Ich setze mich auf den Bordstein und warte. Alleine. Im Dunkeln. Zwanzig Minuten vergehen …und plötzlich: Licht, Rattern, Hupen, ein Zug….der ohne anzuhalten an mir vorbei fährt. Super. Als ich schon dabei bin zur Straße zurück zu gehen versichert mir ein vorbeigehender Herr, ich sei hier richtig. Ich setze mich also wieder auf den Boden und warte. Langsam trudeln dann auch ein paar Menschen ein und tatsächlich pünktlich schließlich auch der Zug. Von Bahnschranken halten die Menschen hier anscheinend nicht so viel und so rumpeln wir, potentielle Bahngleisüberquerer durch permanentes Hupen warnend, durch die Stadt. Im Zug erklärt sich mir dann auch, warum wir für eine Strecke von ca. 10 km 45 Minuten brauchen: ich könnte problemlos neben dem Zug her joggen. Unglaublich. Nach einer halben Stunde Fahrt sind meine Nerven mehr als strapaziert. Da die Ticos auch nicht so viel von Schildern die eventuell Auskunft über den Namen der Haltestelle geben könnten halten (wäre ja irgendwie langweilig) habe ich nicht die geringste Ahnung wo ich bin als der Zug irgendwann an einem Bahnhof stehen bleibt und nicht weiter fährt. Also frage ich mal wieder nach. Der letzte Gast in meinem Abteil sagt mir ich müsse noch sitzen bleiben und steigt aus.  Dann gehen die Lichter aus, der vordere Zug wird abgehängt und ich sitze alleine im stockfinsteren Abteil. Grandios. Vor lauter Wut habe ich mittlerweile die Hälfte der Tortillas, die eigentlich für den Rest der Woche reichen sollten gegessen. Es 19.15  und ich frage mich, wieso es in einem eigentlich recht fortschrittlichen Land wie Costa Rica nicht möglich ist, eine einigermaßen ordentliche Infrastruktur aufzubauen oder WENIGSTENS einfach mal ein paar Schilder aufzustellen. Das kann doch nicht so schwierig sein! Als ich gerade das Abteil verlassen will gehen die Lichter wieder an und wir fahren rückwärts die Strecke zurück, die wir gekommen sind. Das ist doch wohl ein Witz! Vor Wut will ich schon anfangen die nächsten Tortilla zu essen, als der Zug anhält und ich auf Nachfrage die Auskunft erhalte: die Station ist tatsächlich meine. Der Zug ist wohl doch nicht einfach nur zurück gefahren sondern beim Zurückfahren auch noch einmal abgebogen. Nach über zwei Stunden im wohl langsamsten Zug der Welt habe ich es also endlich geschafft nach San Pedro zu kommen. Ich frage für heute ein letztes Mal nach dem Weg von der Station zur Hauptstraße, setze meine Kopfhörer auf und freue mich, dass die Jungs von Metallica anscheinend genauso genervt sind wie ich.

x+4 oder: wieso Autos Griffe zum Festhalten haben

Am Dienstag früh bin ich in San José angekommen. Im Gegensatz zu Sachsen-Anhalt ist Costa Rica wirklich das Land der Frühaufsteher und morgens um 6.00 Uhr sind alle Straßen stadteinwärts hoffnungslos überfüllt. Der Taxifahrer sucht sich dennoch seinen Weg, wenn es sein muss auf der Gegenfahrbahn. Er wird schon wissen was er tut, denke ich mir und freue mich, dass die Beifahrertür Griffe zum Festhalten hat. Der Taxifahrer riecht nach Zigaretten und ungeputzten Zähnen aber er gibt er sich Mühe, mich so schnell wie möglich ans Ziel zu bringen und erklärt mir welches das beste Bier ist (Imperial, am besten silver). Schließlich käme ich ja aus Deutschland, da mögen wir doch gerne Bier – oder? Das ist doch nett. Nachdem wir uns, fast am Ziel, mehrmals verfahren fragen wir schließlich nach dem Weg. Wissenswert an dieser Stelle: es gibt in San José keine Straßennahmen und wenn doch, dann kennt sie keiner.

Die Adresse meines Hostels lautet also: San Rafael de Escazú, 150 Meter südlich vom Einkaufszentrum, Platz Rolex, rotes Tor, Haus 13.

Der Platz Rolex wurde zu meinem Pech klammheimlich in Platz Rose umbenannt, sodass diese Wegbeschreibung nur noch mittelmäßig nützlich war. Wir fragen dann doch mal nach dem Weg und schließlich am Hostel angekommen macht der Fahrer mir sogar einen fairen und keinen du-bist-Tourist-und-die-find-ich-doof-Preis, ich bin begeistert.

Das Hostel Casa Trece ist ein Traum und jedem zu empfehlen, der nach San José kommt. Klein und verwinkelt mit Kräutergarten, einer großen Küche und niedlichen sehr sauberen Zimmern. Das beste ist jedoch die Familie, die das Haus führt. Hierzu später. Die Atmosphäre ist familiär und gleich vom ersten Moment an fühle ich mich tatsächlich herzlich willkommen in Costa Rica.

Seit gestern versuche ich mich weiter an meiner Hausarbeit. Der Spaßaffe hat den Flug aber anscheinend auch gut überstanden und erfreut sich bester Gesundheit. Er leidet allerdings noch ein bisschen am Jetlag, was mir ganz gelegen kommt.

x-12 oder: Besuch vom Spaßaffen

Tag x (aka der Abflug) rückt unaufhaltsam näher, ein bisschen schneller als mir lieb ist und ich habe wieder einmal Besuch von meinem guten Freund dem Spaßaffen. Der hat mich erfolgreich dazu überredet, dass ich das Paket welches heute ankommt unbedingt persönlich entgegen nehmen muss. Da konnte ich natürlich nicht in die Uni fahren, ärgerlich, dabei hatte ich es mir so fest vorgenommen…aber ich kann auch auch problemlos von zu Hause arbeiten sagte der Spaßaffe. Da gibts auch leckeres Essen und ich kann soviel Kaffee und Tee trinken wie ich möchte. Unschlagbare Argumente. Während des Schreibens meiner Hausarbeit ziehen die aktuellen Geschehnisse immer wieder meine Aufmerksamkeit auf sich und so lese ich darüber, was Heiko Westermann von Fußballkritikern hält, stelle nach intensivem Googlen fest, dass er leider nicht so heiß ist wie ich dachte, finde heraus, wie sich Schalkefans manchmal so fühlen, dass Krautreporter chauvi-Posts ihrer Redakteure am Frauentag nicht so lustig findet und dass Irland irgendwie ein bisschen aus Versehen den Besitz chemischer Drogen legalisiert hat. Weltbewegend. Man muss sich ja auf dem Laufenden halten. Schließlich schlägt der Spaßaffe mir noch vor, ich solle doch einen Blog einrichten damit ich all meinen Freunden von meinen Erlebnissen berichten könne. Ich bin begeistert. An dieser Stelle: Vielen Dank lieber Spaßaffe für diesen überaus erfolgreichen Vormittag.

Es lebe die Prokrastination.